Brigitte Sommer - Freie Journalistin und freie Bildjournalistin

Brigitte Sommer | Zeppelinstrasse 29 | 63456 Hanau | Telefon: 0 61 81 - 96 67 16 | Email: mail@journalistin.info

Ausstellung Afghanistan

Veranstaltungsplakat

Ansprache von Volker Vogel aus Hanau

Journalist und PR-Berater, anlässlich der Fotoausstellung von Brigitte Sommer im Marstall in Steinheim am 14. Juni 2003

Der deutsche Theologe Alfred Delp meinte einmal: „Freiheit ist der Atem des Lebens“. Wer Brigitte Sommers Fotos der zerrissenen Welt Afghanistans ansieht, kann dies nachfühlen. Jeder Blick konfrontiert einen mit der Frage, was Freiheit eigentlich darstellt. Sehen so Menschen aus, die in Freiheit leben? Atmen sie Leben? Kennen sie dieses bestimmte Gefühl des Atmens überhaupt?

Viele von uns mögen über die auf Zelluloid erstarrten Augenblicke, mit denen Brigitte Sommer uns die Menschen dieses Landes am Hindu Kush näher bringt, erstaunen, ja vielleicht sogar erschrecken. Welche Definition erklärt uns diesen Begriff Freiheit?

Afghanistan ist uns viel zu weit entfernt, viel zu unbekannt, als dass wir so etwas ermessen können. Für diese Menschen, die wir auf diesen Fotos sehen, ist Freiheit schon damit definiert, keine Bomben mehr zu spüren, etwas zu essen zu besitzen, sich frei bewegen zu können. Wirkliche Freiheit gab es für diese Menschen nur in wenigen Epochen des Bestehens dieses Landes. Afghanistan und die Menschen, die dort leben, sind Jahrhunderte lang gepeinigt worden von machtbesessenen Mächten, egal ob es die Engländer waren oder zu Beginn der 80er Jahre die Russen, die in dieses Land eindrangen und einen jahrelangen Krieg auslösten.

Dann kamen die Taliban, die mit Ihrer Grausamkeit die Freiheit erstickten. Und jetzt? Jetzt herrscht Frieden. Aber herrscht auch Freiheit? Spüren diese Menschen diesen Atem des Lebens? Das Volk in Afghanistan wird noch lange brauchen, um diesen Atem richtig auskosten zu können. Zu oft schon wurden sie von den Mächtigen enttäuscht.

Brigitte Sommer bringt uns die Definition Freiheit, so, wie sie die Menschen in Afghanistan empfinden, näher. Sie zeigt auf, dass Freiheit viel weniger sein kann, als wir es oberflächlich empfinden. Die Fotos zeigen auf, dass Freiheit nicht nur Glück ist, sondern auch Schmerz und Trauer in sich vereinigt. Nichts Beschönigendes ist auf ihren Fotos zu sehen, nichts Gestelltes, sondern Augenblicke, die spontane Situationen reflektieren. Eine Reportage in Bildern, die auch ohne viele Worte wirkt.

Visuelle Momente eines Lebens weit ab von unserer Alltäglichkeit, die uns weder Raum noch Zeit gönnt, darüber nachzudenken, dass Freiheit einfach nur Sein darstellen kann.

Ein unbekannter Denker sagte einmal:

„Journalismus ist in Wirklichkeit Geschichte, die dahin strömt. “

Genau das vermittelt uns Brigitte Sommer in ihren Arbeiten, übrigens nicht nur über das Land am Hindu Kush. In eindringlichen Fotos bringt sie uns diese andere Welt, weit weg von unserer Zivilisation näher. Fotos, die Menschen zeigen, die ohne Hoffnung scheinen, die ohne es zu sagen Angst vor dem haben, was jetzt auf sie zukommt. Menschen, deren Gesichter geprägt sind von der Gewalt, dem Schrecken, all dem, was sie erleben mussten. Menschen aber auch, die stolz sind auf ihr Land.

Brigitte Sommer ist den Menschen dabei nicht auf die Pelle gerückt. Sie hat sich ihnen nur genähert, ohne aufdringlich zu sein. Sie betreibt in dem, was sie tut, keinen reisserischen Journalismus. Die Fotos, die sie uns zeigt, sind Protokolle einer Journalistin, die mit Leib und Seele das alltägliche Leben zwischen Hoffen und Bangen widerspiegelt, zwischen Panzern und verhüllten Musliminnen, zwischen Kalaschnikows und spielenden Kindern, die sich auf Straßen herumtreiben und selbst nicht wissen, was der nächste Morgen mit sich bringt.

Das beeindruckende an diesen Fotos ist die Unverkrampftheit, die zum Ausdruck kommt. Alte Männer mit charismatischen Bärten, Kinder, die das Lachen wieder entdeckt haben, Frauen, die sich schwer damit tun, sich dieser neuen Freiheit bewusst zu werden. Keine gestellten Fotos, die ein Glück zeigen, das es gar nicht gibt. Keine Touristenschnappschüsse, mit denen man zu Hause seine Freunde und Bekannte überraschen kann. Brigitte Sommer zeigt uns mit ihren Afghanistan - Fotos die andere Welt, jenseits des Friedens, den uns viele Medien von Afghanistan nach Ende dieses Krieges plötzlich druckfrisch oder per Film ins Wohnzimmer schicken.

Fotos, voller Stille und Fotos, die die Lebendigkeit unvergesslicher Augenblicke zeigen. Fotos, voller Nachdenklichkeit, Freude, Stärke. Sehnsuchtsvolle Blicke, Augen, die auf Antworten warten, Glaube und Gläubigkeit, Erwartung, Resignation, Starre und immer wieder dieses Atmen nach Leben. Und dazwischen eingeflechtet bezaubernde Fotos einzigartiger Landschaften.

Brigitte Sommer zeigt uns, wie man mit dem Blick durch das Okular der Kamera die Wirklichkeit nicht verstellt. Ihre Fotos entzaubern und verfälschen nicht, wie es die vieler anderer Fotografen oft tun.

Hier bei uns ist es still geworden um die Menschen dort. Afghanistan existiert in den Medien nur noch, wenn es wieder einmal zu einem Zwischenfall kommt. Um die Menschen, die unerträgliche Schmerzen und Qualen erlitten und noch immer erleiden, kümmern sich die Medien kaum noch. Doch eine gute Journalistin erinnert ständig. Brigitte Sommer ist so eine gute Journalistin.

Hier setzt die Qualität der Fotos von Brigitte Sommer ein. Sie macht sich ganz zwanglos zum Anwalt dieser Menschen. Sie teilt uns mit diesen Fotos Geschichten mit, die leider kaum jemanden mehr interessieren, weil der Krieg gegen die Taliban offiziell beendet ist. Sie zeigt uns auf, dass es gewaltige Unterschiede gibt zwischen dem, was wir Leben nennen und dem, was den Menschen in Afghanistan zum Leben bleibt.

Ihr journalistisches Feingefühl, das sie u. a. auch in Foto- und Textreportagen über Afghanistan für den Stern unter Beweis stellte, ist getragen von sehr viel Liebe zu diesem Land. Zwei Mal führte sie der Weg schon in das einst so glanzvolle, hoch kultivierte Land. Das erste Mal 1995, das zweite Mal 2002. Von dieser zweiten Reise erzählen ihre Fotos hier.

Ihre vielen Kontakte, die sie im Laufe der Jahre dort geknüpft hat, machen sie zu einer der wenigen Spezialistinnen und Kennerinnen dieses Landes. Sie hat mit mächtigen Führungspersonen der Nordallianz Interviews geführt, sie kannte den bedeutendsten Helden der Nordallianz, Ahmad Shah Massoud, sie ist, nur begleitet mit einem Übersetzer, durch das Land gezogen, nur bewaffnet mit ihrer Kamera.

Es zählt zu den Tugenden einer guten Journalistin bzw. eines guten Journalisten, dass er bzw sie neugierig ist, sonst hätten sie ihren Beruf verfehlt. Doch neben der Neugierde und ihrem Mut ist es vor allem die Faszination über dieses Land, die Brigitte Sommer immer wieder nach Afghanistan treibt. Dieses immer wieder bohrende „warum gerade Afghanistan? “ , bei dem ich mich in meinen Gesprächen mit Brigitte Sommer bislang so oft ertappt habe, habe ich aus meinem Vokabular übrigens gestrichen. Die Antwort habe ich mir selbst gegeben: es ist wohl so, als verliebe man sich plötzlich mit Haut und Haar in eine bestimmte Frau. Auch hier wäre ein Hinterfragen des Grundes völlig nebensächlich. Es ist eben, wie es ist. In beiden Fällen ist es das Herz, das allein die Begründung kennt.

Ich, selbst Journalist, bewundere ihre unerschrockene Art, diese Welt Afghanistans zu dokumentieren. Ja, ich muss zugeben, ich beneide sie auch etwas. Brigitte Sommer kann einen begeistern, wenn sie von Afghanistan erzählt, aber sie kann einem auch Angst machen, wenn sie sagt, sie möchte bald wieder in dieses Land reisen. Eine Angst, die ihr wohl unverständlich ist, aber so ist das eben, wenn man einen Menschen in sein Herz geschlossen hat.

Wäre ich Verleger, ich würde mir diese Gelegenheit, einen Bildband mit diesen einfühlsamen Fotos zu verlegen, nicht entgehen lassen. Leider bin ich keiner.

Bleibt mir zu wünschen, dass Sie diese beeindruckenden Momente in sich aufsaugen und den Kampf des afghanischen Volkes gegen jede Unterdrückung verstehen lernen. Viel Spaß dabei!

Afghanistan ein Jahr danach: Bilder einer Sommer-Reise

Seelen gesunden langsam

Von: Andrea Freund/Frankfurter Rundschau vom 17.06.03

Still ist es geworden um die Menschen in Afghanistan, seit die Macht der Taliban gebrochen ist. Die Journalistin Brigitte Sommer trägt mit ihrer beeindruckenden Fotoausstellung im Marstall des Steinheimer Schlosses dazu bei, dass sie nicht vergessen werden.

Ein Jahr nach dem Krieg in Afghanistan hat die 41-jährige Steinheimerin im September 2002 mit ihrer Kamera Augenblicke eingefangen, die widerspiegeln, dass mit dem Frieden zwar der Schrecken von den Menschen gewichen scheint, die Wunden des blutigen Krieges aber noch lange nicht verheilt sind. „Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Angst“, versichert die Mutter einer sechs Jahre alten Tochter im Gespräch mit der FR. Ganz im Gegensatz zu ihrem einzigen Begleiter, einem Afghanen, der seit mehr als zwei Jahrzehnten in München lebt und auf der 14-tägigen Reise als Übersetzter fungierte. Brigitte Sommers Interesse für Afghanistan keimte in den 70-er Jahren auf und entwickelte sich zu einer Leidenschaft, die sie nicht mehr los ließ. 1995 bereiste sie das Land zum ersten Mal.

„Seither hat sich die Lebenssituation der Menschen nicht geändert“, ist ihr Eindruck. Was die Taliban zerstört haben, liegt immer noch in Trümmern. “ Doch die Seelen der Frauen, Kinder und Männer gesunden allmählich.

Ein Lachen, ein Lächeln als Zeichen der Hoffnung springt dem Betrachter nur aus wenigen Fotos der Ausstellung entgegen. Verschlossen, fast grimmig, aber dennoch stolz die Blicke der Männer. In den Augen der Alten mit den von Kummer zerfurchten Gesichtern ist noch die Trauer über die jahrelange Herrschaft von Gewalt und Zerstörung zu sehen. In denen der Jungen blitzen Hoffnungsschimmer, dass aus dem Frieden endlich auch ein Leben in Freiheit erwächst.

Die ausdrucksstarken Bilder der Menschen sind es, die die Besucherinnen und Besucher bei der Vernissage am meisten anziehen auf ihrer Suche nach dem Wesen, der Botschaft der Fotos. Brigitte Sommer, die seit zehn Jahren als freie Journalistin auch für namhafte Magazine wie Stern arbeitet, bildet die Welt abseits der Kriegsberichterstattung oder Touristenschnappschüsse ab. Bereist hat sie Kabul und den Nordosten Afghanistans mit seinem fruchtbaren Pandschirtal, dokumentiert in ausdrucksstarken Landschaftsaufnahmen.

Doch die Augen bleiben nicht nur an den Fotos hangen. Gefesselt sind die Betrachter auch von den nebenstehenden Textbeiträgen, den Berichten über das Leben der Menschen, aber auch den Interviews mit führenden Mitgliedern der Nordallianz, wie dem Kopf der Widerstandsbewegung Ahmad Shah Massoud und dem afghanischen Botschafter Wali Massoud. Ihre Einblicke in die Welt der Frauen gibt Brigitte Sommer in dem Gespräch mit der Chefredakteurin der Frauenzeitschrift Malalei, Jamila Mujahed, wieder.

Copyright: Andrea Freund

Eindrücke ein Jahr nach den Taliban

Brigitte Sommer zeigt im Steinheimer Marstall Fotografien aus Afghanistan

Von: Frau George/Hanauer Anzeiger vom 16.06.03

Als Land der schönen Teppiche und kostbaren Mosaike wurde Afghanistan einst im Reiseführer angepriesen. Heute gehören vielmehr die schätzungsweise zehn Millionen gelegten Landminen zum Bild des über 20 Jahre lang kriegsgebeutelten Afghanistan. Die Fotojournalistin Brigitte Sommer, deren Bilder und Reportagen unter anderem im „Stern“ veröffentlicht wurden, hegte schon in den 70-er Jahren ein großes Interesse für Afghanistan.

„Ich weiss nicht warum, aber die Faszination für dieses Land war einfach da“, sagt sie. Zweimal, 1995 und im letzten Jahr, hat sie Afghanistan für mehrere Wochen zusammen mit einem Übersetzter bereist, Interviews geführt und Landschaften und Menschen im Bild festgehalten.

„Afghanistan – ein Jahr nach den Taliban“ heisst ihre Ausstellung, die bis zum Sonntag, 29. Juni, im Marstall von Schloss Steinheim zu sehen ist. „Es hat sich in diesen sieben Jahren zwischen meinem ersten und zweiten Aufenthalt dort nicht viel verändert“, erzählt Brigitte Sommer. „Den Menschen geht es nach wie vor schlecht, es fehlt Geld für Bildung und für den Aufbau des Landes“. Entstanden sind ihre Fotos in Kabul, in der Schamali-Ebene, im Pandschir-Tal und im Salang-Gebiet. Dazwischen hat die Fotojournalistin die Interviews abgedruckt, die sie mit dem afghanischen Botschafter Wali Massoud, dem afghanischen Bildungsminister Younus Kanuni oder auch Führungspersonen der Nordallianz geführt hat. „Die Menschen dort begegneten mit sehr aufgeschlossen, es gab keine Probleme mit ihnen in Kontakt zu treten oder sie zu fotografieren“, sagt Sommer. „Die Bilder von Brigitte Sommer dokumentieren die Lage der Menschen in Afghanistan, die nach dem Krieg einerseits Hoffnungen und Stolz hegen, aber auch die Stagnation ihres Landes direkt vor Augen haben“, bemerkte Steinheims Ortsvorsteher Jürgen Sticher bei der Eröffnung.

Mit ihren Fotos wollte Brigitte Sommer nichts beschönigen und verstellen, betonte der Journalist und PR-Berater Volker Vogel, der die Einführung gab. „Widergespiegelt wird ein Leben zwischen Panzern und verhüllten Musliminen, zwischen Kalaschnikows und spielenden Kindern, die nicht wissen, was der nächste Morgen mit sich bringt“. Zerstörung und Unterdrückung prägten die Geschichte des Landes am Hindu Kush, so Vogel weiter, und hinterließen eine Menschenleben zwischen Hoffnung und Bangen vor der ungewissen Zukunft.

Die Bilder geben Eindrücke in die kargen Gebirge und das fruchtbare Pandschir-Tal, durch die der Packesel noch immer als Haupttransportmittel trabt, und sie zeigen vom Kabuler Stadion, das die Taliban unter ihrer Herrschaft zum öffentlichen Schauplatz von Greueltaten umfunktionierten.

Auch die Interviews lesen sich als schonungslose Dokumentation, in denen klar wird, wie zerbrechlich der Frieden und wie klein die neu gewonnene Freiheit noch sind.

Im Interview mit dem afghanischen Bildungsminister Younus Kanuni erfährt der Besucher der Ausstellung, dass in Afghanistan 2500 Schulen sowie das Lernmaterial fehlen. Schulbücher seien veraltet, in den Mathematikbüchern würden immer noch „Dreisatzaufgaben mit Waffen“ gestellt. Die Ausstellung ist montags bis freitags von 17 bis 19 Uhr geöffnet, samstags und sonntags von 13 bis 18 Uhr.

Copyright: George